• Frequentis-Vorstandschef Norbert Haslacher erläutert im Gespräch den bisherigen Verlauf des Geschäftsjahrs.

    Herr Haslacher, was hat Sie am bisherigen Verlauf dieses Geschäftsjahres am meisten überrascht?

    Ich war positiv überrascht, dass der Spirit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Frequentis nicht unter der Pandemie gelitten hat. In den vielen persönlichen Gesprächen habe ich einmal mehr festgestellt, wie wichtig der direkte Kontakt ist. Nicht nur intern, sondern auch zum Kunden.

    Frequentis wird am 17. August die Halbjahreszahlen präsentieren. Wie hat sich das operative Geschäft bislang in diesem Jahr entwickelt?

    Wir sind mit frischer Energie in das 75. Jahr von Frequentis gestartet und haben wegweisende Aufträge gewonnen, z. B. für das Drohnenmanagement von Austro Control oder den Remote Digital Tower für Frankreich. Im Segment Public Safety, also öffentliche Sicherheit, konnten wir mit der Akquisition der italienischen Regola unser Produktportfolio deutlich erweitern. Es bringt uns unserer Vision, weltweit die Nummer Eins für sicherheitskritische Kontrollzentralen zu werden, einen Schritt näher.

    Erwarten Sie, dass Faktoren wie Lieferkettenengpässe oder steigende Inflation das operative Geschäft weitaus stärker als im Vorjahr belasten?

    Nur in eingeschränktem Ausmaß. Die Inflation ist ein Thema für Gehaltsabschlüsse, dies wird dann eher das Jahr 2023 belasten. Aus heutiger Sicht sind die Auswirkungen im Jahr 2022 nicht als signifikant einzustufen.

    Welche Maßnahmen ergreift Frequentis, um mögliche Folgen einzudämmen?

    Bezüglich der Inflation ist es so, dass es Anpassungs-Klauseln in einem guten Teil der Verträge gibt. Nur mehr ein kleiner Teil unseres Umsatzes besteht aus Hardware – und hier haben wir gut vorgesorgt und werden dies auch weiter tun. Für kommerzielle Hardware, die da und dort für Projekte benötigt wird, sind wir wie auch andere Unternehmen von längeren Lieferzeiten betroffen.

    Ist Frequentis weiter in der Lage, steigende Material-, Logistik- und Personalkosten produktseitig an die Kunden weiterzureichen?

    Je nach Vertrag entweder direkt oder wir preisen es in die neuen Aufträge ein.

    Wo muss Frequentis, um Kosten einzusparen, den Rotstift am meisten ansetzen?

    Im Vergleich zum Zeitraum vor der Pandemie vermeiden wir unnötige Flüge und Reisen. Wir erwarten uns in Summe Einsparungen von rund 10 bis 20% bei den Reisen gegenüber den Jahren vor der Pandemie.

    In welchen Teilbereichen der sicherheitskritischen Leitzentralen verspüren Sie am deutlichsten, dass die Nachfrage anzieht?

    Wir sehen gute Nachfrage und auch einen Aufwärtstrend in allen Märkten in den nächsten Jahren, allerdings mit unterschiedlich starker Ausprägung.

    Wie verläuft die Integration der 2021 von L3 Harris erworbenen Geschäftsfelder und in welcher Größenordnung erwarten Sie für 2022 deren Beiträge bei Umsatz und EBIT?

    Die Integration der Einheiten in Australien, Deutschland und Kanada von L3 Harris ist bereits im Jahr 2021 gut vorangeschritten. Von diesen Einheiten wurden bereits rund 20 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftet. In diesem Jahr kommen noch zusätzlich 10 Mio. Euro dazu, weil die Einheiten dann das gesamte Jahr konsolidiert sind.

    Etliche Airlines und Sicherheitsdienstleister haben im Verlauf der Coronapandemie aus Kostengründen massiv Personal abgebaut. Jetzt macht sich diese Personallücke an den Flughäfen bemerkbar. Welche Produkte von Frequentis erleichtern Engpässe bei Flugkontrolle und Passagierabfertigung?

    Unser Fokus liegt auf der Flugverkehrskontrolle. Hier haben wir für Flughäfen spezifische Systeme, die die Effizienz steigern und zusätzlich auch eine gewichtige nachhaltige Komponente haben, nämlich die Einsparung von Emissionen. Neben der Verbesserung des Rollverkehrs auf den Flughäfen bieten wir auch Systeme an, die die Arbeit der Fluglotsen im Management ankommender und abfliegender Flugzeuge erleichtert und effizienter macht. Damit kann Personalengpässen bei den Lotsen gegengesteuert werden.

    Um das Produktsortiment in der sicherheitskritischen Kommunikation in Leitzentralen auszubauen, hat Frequentis im Februar die italienische Firma Regola mehrheitlich übernommen. Welche Zielmärkte wollen Sie zusammen vorzugsweise angehen?

    Unser gemeinsamer Fokus ist Europa.

    Befinden Sie sich hier zurzeit in Verhandlungen zu Vertragsabschlüssen?

    Wir haben einige Angebote angegeben und warten auf die Rückmeldung der Kunden.

    Frequentis ist weltweit aktiv. Welche geografischen Zielmärkte will das Unternehmen in den nächsten Jahren verstärkt angehen?

    Neben unserem Heimatmarkt Europa sehen wir Nord- und Südamerika sowie Asien und Australien als Zielmärkte.

    Akquisitionen, die das organische Wachstum ergänzen, sind bei Frequentis seit jeher ein Bestandteil der Geschäftsstrategie. In welchen Bereichen sind künftige Zukäufe am ehesten denkbar?

    Wir wollen bei unseren Akquisitionen eine Balance zwischen den beiden Segmenten Air Traffic Management und Public Safety & Transport beibehalten.

    Anders als bei den meisten börsengelisteten Unternehmen aus Österreich behält die Frequentis-Aktie weiter ihre Flughöhe. Wie erklären Sie sich das und welches Feedback erhalten Sie von den Investoren im Rahmen Ihrer IR-Aktivitäten?

    Wir sehen und hören positives Feedback von den Investoren zu unserem Geschäftsmodell und der Umsetzung. Dies zeigte sich auch am 1. Platz in der Kategorie MidCap beim Wiener Bröse Preis im Juni 2022.

    Führt Frequentis in diesem Jahr mehr Investoren-Events durch als in der Vergangenheit?

    Im Jahr 2021 waren alle Events virtuell, jetzt kommen auch einzelne Roadshows vor Ort zum Investoren-Kalender hinzu.

    Unter welchen Voraussetzungen würde Frequentis in seiner Dividendenpolitik die Ausschüttungsquote erhöhen?

    Wir bleiben bei unserer Dividendenpolitik und sehen dies auch vor dem Hintergrund von potenziellen Akquisitionen als angemessen.

    Haben Sie selbst in den letzten Monaten Frequentis-Aktien gekauft?

    Im Mai 2022 habe ich als CEO aus dem langfristigen Incentivierungs-Programm Aktien übertragen bekommen.

    Verbringen Sie selbst inzwischen für Geschäftsreisen wieder genauso viel Zeit im Flieger wie vor dem Ausbruch der Coronapandemie?

    Für das Vertriebs-Team und auch für mich ist der Kontakt mit den Kunden sehr wichtig. In Summe ist es weniger, weil einfache Abstimmungs-Meetings eigentlich nur mehr virtuell stattfinden.

    Über welche Erfolge und erreichten Ziele bei Frequentis würden Sie sich am Ende dieses Geschäftsjahres am meisten freuen?

    Wir bleiben bei unseren im April verkündeten Zielen für das Jahr 2022, also einer Steigerung des Umsatzes und des Auftragseingangs.

    Vielen Dank für das Interview!

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    Dr. Reuter Investor Relations: „Inflation und Lieferkettenprobleme belasten nur eingeschränkt“

    auf Imagewerbung publiziert am 10. August 2022 in der Rubrik Presse - News
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